Caspar Martig, Fotograf

ERLEBT - Caspar Martig, Fotograf

Die Menschenwürde im Fokus

Seine Karriere als Fotograf hat Caspar Martig gestartet mit einem Auftrag des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK). Auf seinen Reisen für das SRK fotografierte er Momente neuer Hoffnung, aber es gab auch oft Bilder die zu grausam für die Kamera waren. Unser Autor hat mit Caspar Marti die Arbeit des SRK in Kambodscha besucht.

Ja wahrhaftig, wir haben oft und viel gelacht, als ich Ende Mai mit den Brüdern Caspar und Franz Martig unterwegs war. Dies bedeutet aber beileibe nicht, dass unsere Mission nach Kambodscha ein lustiges Abenteuer war. Der Auftrag war klar: Fotos schiessen und erstes Videomaterial drehen für die neue Informationskampagne des SRK. Der 40-jährige Caspar Martig ist mehr als ein Fotograf, der mit Hilfe von Kamera und Licht wiedergibt, was das ungeschulte Auge teilweise kaum wahrnimmt. Dank Künstlerblick, höchster Konzentration und hoch sensibilisierten Sinnen fängt er Momente ein, die in ihrer Art einmalig sind.

Kniefall für das perfekte Bild

So auch an unserem ersten Tag im Distrikt Romdoul, wo am Tag zuvor ein Sturm einige Duzend Häuser zerstörte. Gemeinsam mit dem Kambodschanischen Roten Kreuz hat das SRK Nothilfesets und weitere Hilfsgüter verteilt. Als wir dabei waren, eine Familie zu porträtieren, erschien am Himmel ein Regenbogen. Natürlich zufällig, aber dieses Zeichen des Himmels in die Bilder zu integrieren, muss erst gelingen. „Für das SRK zu fotografieren ist eine besondere Herausforderung“, meint Caspar Martig. „Die ethischen Standards was man zeigen darf und vor allem was man nicht zeigen darf, sind viel höher als bei anderen Hilfswerken.“ Der Grundsatz der Menschlichkeit bedeutet auch, die Würde der Menschen zu wahren. Es braucht Fingerspitzengefühl um aufzuzeigen, das Hilfe nötig ist, aber das Leiden und die Not der Menschen nicht respektlos für emotionale Bilder auszunutzen. „Ja, oft könnten wir leidvollere, tragischere Fotos machen und tun es bewusst nicht.“, sagt Caspar Martig. Er fotografiert schon seit fast 20 Jahren für das SRK. „Ich liebe meine Arbeit als Fotograf. Aber für das SRK arbeiten zu dürfen, ist immer wieder etwas ganz Besonderes. Schliesslich verdanke ich dem SRK meine erste Fotoreportage!“

Die ethischen Standards, wie man Elend und Not fotografieren darf, sind höher als bei anderen Hilfswerken.

Der professionelle Blick des Fotografen, auch in emotional berührenden Momenten

Zyklon mit dramatischen Folgen

Im zarten Alter von 21 Jahren reiste der gelernte Koch und „Jungstar-Fotograf“ mit einem Arzt des SRK 1991 nach Bangladesch. Der Zufall – oder „vielleicht eine Fügung“, wie Caspar Martig im Gespräch sagt – wollte es, dass genau während des Aufenthalts einer der schwersten Zyklone der Geschichte über das Land fegte und 138000 Tote forderte. Für den jungen Caspar Martig war dies erst einmal ein grosser Schock. Noch nie zuvor war er mit so viel Not und Leid konfrontiert. Zugleich war es für den Fotografen in ihm aber auch eine Chance: Martig war als erster Reportagefotograf im Krisengebiet. „Die Erfahrung in Bangladesch hat mich als Fotografen, vor allem aber als Mensch geprägt! Ich habe gesehen, was Leid bedeuten kann und wie wichtig die kompetente Hilfe des Roten Kreuzes ist, um gegen die ohnmächtige Hilflosigkeit etwas zu unternehmen, die einen sonst übermannt.“

Seither arbeitet Caspar Martig immer wieder für das SRK –auch für das Magazin Humanité. Oft findet diese Arbeit unter erschwerten Bedingungen statt. Beispielsweise in Kambodscha, wo uns bei 40 Grad der Schweiss nur so aus den Poren floss. Aber dies kümmert den Fotografen nicht: „Ich bin beeindruckt von der Arbeit des SRK. Es ist unglaublich, was diese Organisation alles leistet. Und es ist auch enorm, mit welchem Engagement die Helfer des Roten Kreuzes ihre Arbeit machen.“ Sagt‘s und setzt sich mit konzentriert verkniffenem Gesichtsausdruck wieder hinter die Kamera in den Strassenstaub.

Text: Urs Höltschi


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Warum eine Informationskampagne?

Das SRK dokumentiert unter welchen Umständen hilfsbedürftige Menschen leben. Wir zeigen so einerseits, das Hilfe nötig ist, andererseits erfahren die Spenderinnen und Spender, was mit ihrer Spende geschieht oder wie bereits geholfen wurde.


„Kein Tag ohne Not und Elend – Kein Tag ohne unsere Hilfe.“ Unter diesem Motto führt das SRK seit 2007 jeweils im September eine Informationskampagne durch. Mit Videos, die tagesaktuell aufgenommen und in die Schweiz übertragen werden, informieren wir über die reale Not der Menschen und die Hilfeleistungen des SRK. Als gemeinnützige Organisation geniesst das SRK bei den Verlagen und beim Fernsehen spezielle Konditionen. Für diese Informationsarbeit werden also nicht unnötig Spendengelder eingesetzt.



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