ÜBERZEUGT - Bluttransfusion
Hinter der Routine des Spitalalltags
Es kommt täglich in den meisten Spitälern unzählige Male vor – über die ganze Schweiz betrachtet pro Tag über 1‘200 Mal: Im Zusammenhang mit einer Operation oder einer Krankheit entscheidet eine Ärztin oder ein Arzt, ob einem Patienten ein Blutprodukt verabreicht werden muss. Fremdes Blut, das Blut eines anderen Menschen.
Jede Patientengeschichte ist individuell, genauso wie die Geschichte zu jeder Blutspende
Eine Bluttransfusion ist Routine und geschieht so seit vielen Jahren ohne grosses Aufsehen, ohne breite Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und ohne wesentliche Probleme. Klar, dass die Übereinstimmung von Blutgruppe und Rhesusfaktor zu beachten ist; klar, dass die verabreichten Blutprodukte hochentwickelte Tests hinter sich haben – aber im Wesentlichen ist es Routine und gehört zum Spitalalltag wie das Wechseln eines Verbandes oder das Verabreichen eines Medikaments.
Weshalb also sollte man Gedanken und Zeit verschwenden an etwas so Alltägliches?
Die Antwort lautet: Weil es trotz allem nicht selbstverständlich ist.
Weil hinter diesem alltäglichen Entscheid des Arztes im Spital zwei Aspekte sind, die alles andere als selbstverständlich sind.
Zum einen die logistische Herausforderung für den Blutspendedienst SRK: Die meisten Blutprodukte sind nur kurze Zeit haltbar, und der Entscheid im Operationssaal erfolgt oft sehr kurzfristig. Es kommt vor, dass ein einziger Patient innert kurzer Zeit 10 oder mehr Blutspenden benötigt, in gewissen Situationen sogar über 50, so zum Beispiel bei Schwerstverletzten!
Der Umgang mit Blutprodukten ist im Spital Routine
Zu jedem einzelnen Blutbeutel gehört ein Mensch, der freiwillig und unentgeltlich etwas geschenkt hat.
Aber noch zentraler ist: Blut ist nicht ein „Produkt“ im klassischen Sinne, man findet es nicht in den Regalen eines Fachgeschäfts. Hinter jedem einzelnen Blutbeutel, der einem Patienten verabreicht wird, steht eine Geschichte: Zu jedem einzelnen dieser Blutbeutel gehört ein Mensch, ein Spender, der freiwillig und unentgeltlich etwas geschenkt hat.
Hinter jedem einzelnen dieser Blutbeutel steht ein Mensch, der nicht nur an sich gedacht hat, nicht nur seinen eigenen Vorteil sah. Ein gesunder Mensch, der daran dachte, dass es auch Krankheiten und Unfälle gibt. Ein Mensch, der sich bewusst ist, dass er mit seiner Blutspende etwas Unbezahlbares verschenkt. Denn Blut lässt sich nicht künstlich herstellen.
Bei aller Routine im Spitalalltag und trotz aller Spitzentechnologie der heutigen Medizin – der „Blick dahinter“ ist spannend.
Prof. Dr. med. Andreas Tobler
Er ist seit 2003 Ärztlicher Direktor und Stellvertreter des Direktionspräsidenten des Inselspital/Universitätsspital Bern. Zudem ist er ordentlicher Professor für innere Medizin, speziell Hämatologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Bern und Mitglied der Fakultätsleitung.




